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Bummel durch Frankfurts Innenstadt am Morgen danach: Betriebsam geht es zu an diesem Sonntagmorgen. Zahlreiche Schaulustige wollen sehen, was die Chaoten nachts angerichtet haben – und auch in den Geschäften herrscht emsiges Treiben. Sicherheitskräfte, Handwerker und Personal versuchen die Hinterlassenschaften der Nacht zu beseitigen. Zahlreiche Schaufenster sind zerstört, aber intakt geblieben. Ein Handwerker versucht die Zarge eines Juwelierladens zu reparieren, man sieht mit bloßem Auge beim Vorübergehen, dass sie verbogen ist. Polizeieinheiten finden sich sporadisch verteilt im Innenstadtbereich. Zwei Beamte schauen sich das Werk an der Front eines weiteren Juwelierladens an und schütteln ratlos den Kopf. Vor dem Schuhladen Snipes tummeln sich einige Leute. Die zerstörten Schaufenster sind nicht zu sehen, man hat sie eilig wieder hinter Spanholzplatten versteckt. So ist es überall dort, wo die Randalierer sich Zugang verschaffen konnten und zu Plünderern wurde. Lugt man in den Snipes-Laden hinein, sieht man im hinteren Bereich zerstörte Fenster und Glasscherben verteilt. An der Stelle fehlen auch jene Schuhe, die dort ausgestellt wurde. Die Sicherheitskraft erzählt einer Frau, die Kerle hätten nur die linken Schuhe gestohlen, man habe schließlich nicht komplette Paare ausgestellt. Diebstahl sei es natürlich trotzdem. Eine Radfahrerin bremst beim Snipes ab. Sie erzählt dem Sicherheitsmann, sie sei extra in die Innenstadt geradelt, weil sie sich ein Bild von den Übertreibungen machen wolle, die sie in Social Media sah. Der Snipes sehe doch ganz gut aus, alles Fakenews, sagt sie. Der Sicherheitsmann beschwichtigt sie, man merkt ihm an, dass er keine Lust auf politische Diskussionen habe. Er erzählt, er sei seit gestern Nachmittag durchgehend im Einsatz. Ein Passant sagt der Radfahrerin, dass sie mal durchs Fenster in den Laden blicken solle, dann sehe sie schon, was geschehen sei. Sie nickt, sagt aber, sie möchte nicht, dass man nun überall glaube, in Frankfurt sei alles kaputt – sie fährt von dannen, erklärt nochmals, dass alles nicht so schlimm sei. Ein Mann ruft, dass es nie um Schule und Bildung ging – außerdem fange Bildung ohnehin im Elternhaus statt. Der Sicherheitsmann gibt ihm recht, er sehe an seinem Sohn, wie schlecht es um das Schulwesen bestellt sei – und auch den Eltern gegenüber hatte man zu seiner Zeit noch Respekt. Aber die Schulen und die Lehrer sorgen dafür, dass sich Eltern besser wegducken, wenn sie keinen Ärger mit Schulen und Behörden haben wollen. In dem Moment gesellt sich ein älterer Herr hinzu. Er spricht von »Dreckskerlen«. Ihm reiche es nun. Einen kurzen Moment später steht er mit einem Herrn zusammen und erklärt, dass er Merz gewählt habe – nun sei das auch vorüber. Jetzt werde er die AfD wählen. Wenn nun auch noch der Berliner Linke vor islamistischen Kreisen kusche, sehe er keine andere Möglichkeit mehr. Richtung Konstablerwache stehen Gruppen zusammen. Rege wird diskutiert. Von einer Seite aus vernimmt man: Es waren doch Deutsche – wieso denn Migranten? Ein Mann ereifert sich. Zwei andere stehen dabei, sie schweigen. Auf der Rückfahrt in der S-Bahn lauscht man etwaigen Gesprächen, aber es spricht keiner an, was nachts geschah. Alles nicht so schlimm. Wahrscheinlich war doch alles nur Fakenews.

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